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Samtgemeinde
Sögel
Ludmillenhof
49751 Sögel

http://www.soegel.de

Wappen
Basisdaten
BundeslandNiedersachsen
LandkreisEmsland
Höhe35
PLZ49751
Vorwahl05952
Gemeindeschlüssel03454047
Websitewww.soegel.de
BürgermeisterJohannes Völker
ParteiCDU

Sögel ist eine Gemeinde und der Verwaltungssitz in der Samtgemeinde Sögel im Landkreis Emsland im westlichen Niedersachsen (Deutschland).

Die Gemeinde, die sich über 55,2 km² Fläche erstreckt, hatte Ende des Jahres 2018 rund 8000 Einwohner.

Geografie

Lage

Sögel liegt am Südrand des Hümmlings, eines Geestrückens im Emsland. Östlich von Sögel befindet sich das Quellgebiet der Nordradde, einem Nebenfluss der Ems.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinden Werpeloh und Spahnharrenstätte, im Osten die Gemeinden Werlte und Lahn in der Samtgemeinde Werlte, im Süden die Gemeinden Hüven, Klein Berßen und Groß Berßen und im Westen die Gemeinde Stavern, sowie in der Samtgemeinde Lathen die Gemeinden Lathen und Renkenberge.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Gemeindegebiet von Sögel befindet sich hydrologisch im Flusssystem der Ems.

Ein bedeutendes Feuchtgebiet ist das Schaapmoor, ein Naturschutzgebiet südlich von Sögel in den Gemeinden Sögel und Groß Berßen (NSG WE 236). Es umfasst rund 210 ha im Talraum eines Geestbaches beziehungsweise im Niederungsbereich der Nordradde. Geschützt wird hier ein Mosaik aus Feuchtgrünland, Feuchtbrachen und Bruchwäldern, das Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten bietet. Ziel der Unterschutzstellung ist außerdem die Extensivierung der Nutzung sowie die Wiedervernässung von Flächen, um die charakteristischen Feuchtbiotope zu erhalten und weiterzuentwickeln. Es handelt sich um ein historisch genutztes Niedermoorgebiet. Durch zahlreiche Entwässerungsgräben wurde der Wasserhaushalt verändert.

Zudem befinden sich im Gemeindegebiet weitere kleinere Moorreste, Feuchtwiesen, Waldteiche und vernässte Senken, die mit den Bachniederungen und Grabenstrukturen des Hümmlings verbunden sind.

Geschichte

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Sögel (alt: Sugila 1000, Soghelen 1150) ist eine uralte Ansiedlung. Sögel wurde um 1000 erstmals im Heberegister des Klosters Corvey erwähnt. Corvey besaß hier im 11. Jahrhundert drei tributpflichtige Höfe. Das Bestimmungswort sugi bedeutet Schwein, Sau. Das Grundwort la, lo, loh steht für Gehölz. Hier befand sich also ein Gehölz für die Eichelmast der Schweine.

Seit 1739 besteht in Sögel ein Konvent der Kapuziner, die vor allem in der Pfarrseelsorge in Sögel und in den Gemeinden rundum tätig waren. Zudem sollte ihre Niederlassung anfangs als ein katholischer Stützpunkt östlich der protestantischen Niederlande wirken.

19. und erstes Drittel des 20. Jahrhunderts

Durch die 1898 eröffnete Kleinbahnstrecke von Lathen nach Werlte erhielt Sögel Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Bis 1932 war Sögel Sitz des früheren Amtes und späteren Kreises Hümmling, der dann mit dem Kreis Aschendorf zum Landkreis Aschendorf-Hümmling zusammengelegt wurde.

Die jüdische Gemeinde, die NS-Diktatur und die Schoa

In Sögel lebten verhältnismäßig viele Juden. Im Jahr 1925 stellten sie 5,2 % der Einwohner. Die Sögeler Juden bildeten mit den jüdischen Bürgern von Lathen und Werlte eine Synagogengemeinde. Die Synagoge in Sögel wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört.

In der NS-Zeit versuchten einige jüdische Familien auszuwandern, doch die Mehrheit blieb im Ort. Sie wurden 1941 und 1942 in den Osten deportiert und wurden in Ghettos oder KZs umgebracht, ebenso wie die in die Niederlande ausgewanderten Gemeindemitglieder. Nur zwei der wenigen Überlebenden der Gemeinde kehrten 1945 nach Sögel zurück. Im Gedenken an die Sögeler Opfer des Nationalsozialismus wurden 54 Stolpersteine verlegt (Stand 2023).

Das Ende des Zweiten Weltkriegs

In Sögel bestand während des Zweiten Weltkriegs ein Ausweichlager für ausgebombte Emder Familien. Sögel wurde am 9. April 1945 vom Lake Superior Regiment (Motor) der kanadischen Armee eingenommen. Bei einem zuvor geflogenen Bombenangriff starben elf Einwohner und zwei deutsche Soldaten. Eine andere Quelle schreibt: „Zwölf Todesopfer (neun Sögeler Einwohner – darunter vier Kinder – und drei deutsche Soldaten) und mehrere Verwundete, von denen noch zwei einige Tage später ihren Verletzungen erlagen, waren zu beklagen.“ Am Folgetag führten deutsche Fallschirmjäger einen Gegenangriff auf den Ort durch. Es kam zu Häuserkämpfen in der Innenstadt von Sögel, wobei die kanadische Armee auch Panzer des Lincoln and Welland Regiments einsetzte. Der Angriff konnte durch die Kanadier abgewehrt werden. Da sie die Unterstützung durch einheimische Zivilisten vermuteten, kam es im Anschluss an die Kämpfe zu Übergriffen kanadischer Soldaten auf diese. Später internierten sie die Zivilbevölkerung in einem Notgefangenenlager und sprengten am folgenden Tag über 70 Häuser entlang der vormaligen Kampflinie. Die kanadische Armee bezeichnete den Kampf um Sögel als einen der für sie schwersten und verlustreichsten während des alliierten Vormarsches in Deutschland. Die knapp gefasste Official Historical Summary der kanadischen Armee nennt Sögel nur in einem Satz zum Vorrücken der 4th Canadian Armoured Division: „On 8 April, it won a bridgehead over the River Ems at Meppen and then pressed forward through Sogel to Friesoythe.“

Sonderwaffenlager in der Lahner Heide

Während des Kalten Krieges wurde ab 1963 zwischen Sögel und der Gemeinde Werlte ein zentrales Atomwaffenlager für das I. Korps der Bundeswehr und das niederländische I. Korps errichtet und vom Heer und der US Army betrieben. Im Februar 1992 wurden die letzten Atomwaffen aus dem Sondermunitionslager Lahn abtransportiert.

Eingemeindungen

Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden in den Räumen Leer und Aschendorf-Hümmling wurde am 1. Januar 1973 Eisten in die Gemeinde Sögel eingegliedert.

Zum Gebiet der heutigen Gemeinde Sögel gehört auch der größte Teil der ehemaligen Gemeinde Wahn, die 1941 für die Vergrößerung des Krupp’schen Schießplatzes eingeebnet wurde.

Einwohnerentwicklung

(einschließlich des eingemeindeten Ortsteils Eisten)

Jahr Einwohner
1821 1681
1848 1979
1871 2086
1885 1971
1905 2367
1925 2824
1933 3146
1939 3526
Jahr Einwohner
1946 3238
1950 3422
1956 3163
1961 3111
1971 3948
2005 6729
2013 7556
2015 7464

Seit 1977 gehört Sögel zum Landkreis Emsland mit Meppen als Kreisstadt.

Politik

Bürgermeister

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 21 gewählte Mitglieder. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026. Dem Gemeinderat gehören seit der Kommunalwahl am 12. September 2021 drei Parteien und ein Einzelbewerber an.

Wappen und Flagge

Das vom Heraldiker Ulf-Dietrich Korn entworfene Wappen sowie die Flagge der Gemeinde Sögel wurden am 9. Juni 1983 vom Landkreis Emsland genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Rot durch eine eingebogene goldene Spitze, darin ein schwarzes Keilerhaupt; vorn eine goldene Waage; hinten eine Darstellung des heiligen Jakobus des Älteren in Silber, Brustbild mit Evangeliar.“

Begründung: Die Waage weist auf die Bedeutung des Ortes als Gerichtssitz hin, der in der Zeit vor 1400 nachgewiesen ist. Die Darstellung des hl. Jakobus bezieht sich auf das Patronat der Urpfarrei Sögel, welche um das Jahr 800 datiert ist. Das Keilerhaupt symbolisiert die Bedeutung Sögels für die Jagd.

Die Flagge ist im Verhältnis 1:3:1 Rot-Gelb-Rot waagerecht geteilt belegt mit dem Wappen in der Mitte.

Wirtschaft

Die Tönnies Holding betreibt in Sögel den größten Schweineschlachthof Norddeutschlands.

Sehenswürdigkeiten

Sögel ist heute ein staatlich anerkannter Erholungsort und wird von Einheimischen für seine idyllische Lage auf dem Hümmling wertgeschätzt. Sögel ist von Wald umgeben und bietet gleichsam Erholungssuchenden wie auch Sportlern ein breites Angebot.

Gebäude und Anlagen

Von überregionaler Bedeutung ist die barocke Schlossanlage Clemenswerth, in der sich acht sternförmig angeordnete kleinere Pavillonhäuser um einen größeren Zentralbau gruppieren. Die einzelnen Bauten sind eingefügt in acht, z. T. doppelreihige Linden-Alleen und bilden so einen Jagdstern. Errichtet wurde die Anlage in der Zeit von 1737 bis 1749 vom kurfürstlichen Architekten Johann Conrad Schlaun für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten, Fürstbischof von Münster und Träger weiterer Titel Clemens August I. von Bayern. Das Jagdschloss Clemenswerth ist das am besten erhaltene barocke Jagd- und Lustschloss seiner Art in Europa. Die sternförmige Anlage ist gekennzeichnet von einzelnen Achsen, die jeweils in eine Allee ragen und vom Zentralpavillon aus nur aus angewinkelter Position aus dem Fenster erblickt werden können. Die unmittelbare Umgebung des Waldes ermöglichte die Jagd. Teil der Anlage sind auch die drei miteinander durch Kanäle verbundenen Schlossteiche, die ebenfalls auf Achsen liegen, sowie der historische Marstall, der heute eine Jugendbildungsstätte beherbergt.

Auch ein Kapuzinerkloster, in dem noch heute einige wenige Patres leben, gehört zur Schlosskapelle. Dieser angegliedert ist ein großer Klostergarten. Clemenswerth ist heute Museum mit separater Töpferei und Sitz der Emsländischen Landschaft.

Sehenswert sind auch der ehemals herzogliche Ludmillenhof, der heute das Rathaus beherbergt, sowie der alte Amtsbrunnen und der Heimathof.

Am Loruper Weg liegt der seit 1835 bestehende Jüdische Friedhof, der nach seiner Schändung und Erneuerung und der Zerstörung der Synagoge ein letztes Denkmal der großteils ermordeten jüdischen Gemeinde ist.

In Sögel befinden sich eine katholische Kirche und auch eine Bartning-Notkirche (Typ D, Gemeindezentrum).

In dem Ort steht auch die erste rumänisch-orthodoxe Kirche Niedersachsens (und die vierte in Deutschland). Die Kirche ist komplett aus Holz gebaut. Sie wurde im Frühjahr 2021 fertiggestellt und bietet Platz für ca. 200 Gläubige. Das Bauwerk beeindruckt mit knapp 32 Metern Höhe und 24 Metern Länge, mächtigen Holzbalken, vielen handgeschnitzten Elementen und den weit über 100 000 aufgenagelten rund 60 cm langen und 9 cm breiten Holz-Dachschindel. Im Glockenturm wurden eine 133 und eine 79 Kilogramm schwere bronzelegierte Glocken eingehängt.

Sögel, de toren van de Sankt Jakobus Kirche IMG 7270 2020-08-08 13.20.jpg|Katholische Pfarrkirche Sankt-Jakobus-Kirche

Sögel Holzkirche 2.jpg|Einfahrtstor zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche

Sögel Holzkirche 4.jpg|Eingang zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche

Mauergedichte

An markanten Punkten der Gemeinde Sögel hat seit 2012 der „Arbeitskreis Mauergedichte“ mit Unterstützung der Gemeinde Sögel bislang zwölf (Stand: Juni 2020) „Mauergedichte“ anbringen lassen. Elf der Gedichttexte sind an Hauswänden angebracht, der Text des Gedichts Der römische Brunnen hingegen auf dem Pflaster rund um den dreischaligen Brunnen beim Rathaus.

Sögel - Prinzenkamp - 10Begegnungsstätte + Mauergedichte 04 ies.jpg|Gedicht von Joseph von Eichendorff am Haus Prinzenkamp 10

Sögel - Mühlenstraße - 15 + Mauergedichte 03 ies.jpg|Gedicht von Eduard Mörike am Haus Mühlenstraße 15

Sögel - Bahnhofstraße - Rathaus + Mauergedichte 02 ies.jpg|Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff am Rathaus

Sögel - Bergstraße + 6 + Mauergedichte 01 ies.jpg|Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer am Haus Bergstraße 6

Stein- und Hügelgräber in der Samtgemeinde Sögel

Die meisten der in der Samtgemeinde Sögel liegenden, rund 5000 Jahre alten Stein- und Hügelgräber bilden Stationen der Straße der Megalithkultur. Alle 17 Stationen der Straße mit den Nummern 14a bis 18d liegen auf dem Gebiet der Samtgemeinde Sögel.

Weitere Sehenswürdigkeiten im freien Gelände

Sehenswert sind ferner der See „Sögeler Meer“ und mehrere Naturschutzgebiete.

Verkehr

Die Gemeinde ist durch Landesstraßen an das Straßennetz angeschlossen. Einen eigenen Personenbahnhof gibt es im Hümmlingort Sögel nicht; hier sind die Bahnhöfe der Umgebung in Meppen oder Lathen anzufahren. An der Bahnstrecke Lathen–Werlte der Emsländischen Eisenbahn befindet sich ein alter Güterbahnhof.

Bildung

Gymnasium

Oberschule

Grundschule

Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen

Weitere Bildungseinrichtungen

Persönlichkeiten

In Sögel geboren

In Sögel gestorben

Sögel als Namensgeber

Ein Krater auf dem Mars in der Lunae-Palus-Region mit den Koordinaten 21,6° N, 55,2° W ist nach der Gemeinde Sögel benannt. Sögel hat einen Durchmesser von 30 km.

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Sögel.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

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