| Art | Stadt |
|---|---|
| Bundesland | Hessen |
| Regierungsbezirk | Darmstadt |
| Landkreis | Groß-Gerau |
| Höhe | 89 |
| PLZ | 64501–64521 |
| Vorwahl | 06152 |
| Gemeindeschlüssel | 06433006 |
| Gliederung | 6 Stadtteile |
| Adresse | Am Marktplatz 1, 64521 Groß-Gerau |
| Website | www.gross-gerau.de |
| Bürgermeister | Jörg Rüddenklau |
| Partei | SPD |
Groß-Gerau ist die Kreisstadt des südhessischen Landkreises Groß-Gerau. Die Mittelstadt liegt im südlichen Rhein-Main-Gebiet und übernimmt gegenüber ihrem Umland die Funktion eines Mittelzentrums.
Groß-Gerau liegt im Norden des hessischen Rieds in der Oberrheinischen Tiefebene, unweit von Rhein und Main entfernt. Wenige Kilometer südwestlich liegt das größte hessische Naturschutzgebiet der Kühkopf-Knoblochsaue mit der Schwedensäule.
Groß-Gerau grenzt im Norden an die Gemeinde Nauheim, im Nordosten an die Stadt Mörfelden-Walldorf, im Osten an die Gemeinde Büttelborn (deren Ortsteil Klein-Gerau die Benennung der Stadt Groß-Gerau erklärt), im Südosten an die Stadt Griesheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Süden an die Stadt Riedstadt, sowie im Westen an die Gemeinde Trebur.
Groß-Gerau gliedert sich in die Kernstadt und vier weitere Stadtteile, die nachfolgend mit Einwohnerzahl genannt sind (Stand: 31. Dezember 2022):
| Stadtteil | Einwohnerzahl |
|---|---|
| Groß-Gerau, Kernstadt | 17.571 |
| Berkach | 1147 |
| Dornberg | 426 |
| Dornheim | 5146 |
| Wallerstädten | 2716 |
| Summe || style="text-align: right;" | 27.006 |
Da in Groß-Gerau Ortsbezirke nicht eingerichtet worden sind, haben diese Stadtteile nur den Rang von Gemarkungen und statistischen Bezirken.
Hinzu kommen im Norden der Kreisstadt Groß-Gerau die Siedlung Nord, südlich der Kernstadt Groß-Gerau die Siedlung Auf Esch und im Süden der Kreisstadt Groß-Gerau die Siedlung Am Schwarzen Berg, welche dem Stadtteil Dornheim zugeordnet ist. Diese Siedlungen werden als eigene Stadtviertel wahrgenommen.
;Aktuelle und historische Siedlungsplätze
Quelle: Historisches Ortslexikon
In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):
| Geraha marca (910) | Geraha (1002/09/13) | Gerahe (1257) |
| Gerhahe (1277) | Gera (1311) | major et minor villa Gera (1319) |
| Gera, major et minor villa (1319) | Groizen Gera (1341) | maius Gera (1355) |
| Gerau (1368) | Gerauwe (1368) | Grozen Geraw (1371) |
| Girrauwer (um 1375) | Gerau parvum et magnum (1403) | Geraw (1420) |
| Groißen Gerauwe (1460) | Großen Geraw (1613) |
Schon in der römischen Zeit hatte das heutige Stadtgebiet eine höhere Bedeutung. Das Kastell Groß-Gerau im Bereich des Stadtteils „Auf Esch“/Fasanerie sicherte den Brückenkopf der römischen Provinzhauptstadt Mainz, noch bevor der Limes angelegt und das heutige Südhessen römisch wurde. Die B 44 ist in ihrem Verlauf von der Südspitze der Fasanerie bis Dornheim mit der Römerstraße von Mainz über Groß-Gerau nach Ladenburg identisch; sie lief auf das Südtor des Kastells zu. Mit der Gründung der Civitas Auderiensium gab man das Kastell auf, der Lagervicus blieb als Marktort bestehen. Die räumliche Nähe dieses Vicus zu der später erwähnten mittelalterlichen Wasserburg Dornberg wird kein Zufall sein.
Die Gerauer Mark (das Waldgebiet zwischen Wallerstädten und Messel) wurde 910 in einer Schenkungsurkunde des Mainzer Erzbischofs Hatto I. erstmals urkundlich erwähnt. In der Folgezeit herrschten in der Region die Herren von Dornberg, bei denen es sich möglicherweise um Dienstleute der staufischen Kaiser in der Frankfurter Pfalz handelte (1160 Erwähnung der Wasserburg im Gebiet des heutigen Dornbergs, später Schloss Dornberg). Nach dem Aussterben der Herren von Dornberg traten die aus dem Westerwald und Mittelrheingebiet stammenden Grafen von Katzenelnbogen deren Nachfolge an und erwirkten 1398 für Groß-Gerau die Stadtrechte. Im Jahr 1479 starb Graf Philipp I. der Ältere von Katzenelnbogen ohne männlichen Nachfolger, und die Grafschaft fiel an die Landgrafschaft Hessen.
1557 gab es in den 35 Pfarreien der Obergrafschaft nur drei „aus kirchlichen Mitteln unterhaltene – gut eingerichtete Schulen“ nämlich in Darmstadt, Groß-Gerau und Zwingenberg. Noch vor dem Tode des Landgrafen Philipp I. von Hessen im Jahr 1567 kam eine weitere in Auerbach hinzu. Damit gehört Groß-Gerau zu den ältesten Schulstandorten in Hessen. 1578 wurde mit dem Bau des Rathauses begonnen. Hier tagten das Schöffengericht und die landgräflich eingesetzten Schultheiße. Die Rathaus-Apotheke besteht seit 1701 und ist die älteste Apotheke der Obergrafschaft außerhalb von Darmstadt.
Die Groß-Gerauer Stadtkirche wurde 1634 von kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Krieg in Brand gesteckt. Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt erneuerte 1663 die Stadtrechte gegen eine Zahlung von 24.000 Gulden. Diese Rechte beinhalteten den Wegfall der Frondienste, Erhebung von Markt-Standgeldern, Vertretung im Landtag und das Recht, Juden aus der Stadt zu verjagen.
Verwaltungsmäßig gehörte das hessische Groß-Gerau bis 1821 zum „Amt Rüsselsheim“. Durch die Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum Hessen wurde der Ort dem Landratsbezirk Dornberg der Provinz Starkenburg zugeteilt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtete 1829 über Groß-Gerau:
1832 wurde die Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt und Groß-Gerau kam zum Kreis Groß-Gerau, zunächst mit Sitz in Dornberg. Diesem Kreis gehörte es dann, nur unterbrochen durch die Aufteilung von Starkenburg in Regierungsbezirke, bis heute an. Von 1848 bis 1852 gehörte es zum Regierungsbezirk Darmstadt. Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Aufgrund dieser Reform wurde Groß-Gerau Kreisstadt des bis heute nahezu unveränderten Kreisgebiets Groß-Gerau.
Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen-Darmstadt von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau.
Im 19. Jahrhundert begann auch hier die Industrialisierung. Bedingt durch den Anschluss an die Hessische Ludwigsbahn mit den Strecken Darmstadt-Mainz 1858 und Frankfurt am Main-Mannheim 1879 (Riedbahn) konnte sich ein vielfältiges Gewerbeleben entwickeln. Die Stadt wurde Sitz von Metallverarbeitung (Faulstroh – FAGRO), Konservenfabriken (Helvetia), Käsereien (in GG wird der Mainzer Käse hergestellt) und der Zuckerindustrie. Von 1869 bis 1871 war Groß-Gerau das Epizentrum einer Reihe von etwa 2000, meist schwachen, Erdbeben. 1896 wurde der Bau einer Dampfstraßenbahn von Darmstadt über Groß-Gerau nach Oppenheim diskutiert, aber nicht verwirklicht.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Groß-Gerauer Synagoge vollständig zerstört. Seit 1978 erinnert ein Gedenkstein an den damaligen Standort der Synagoge in der Frankfurter Straße.
Im Juni 1994 war Groß-Gerau Austragungsort des Hessentags.
Zum 1. April 1939 wurde Dornberg in die Stadt Groß-Gerau eingemeindet.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen ließ sich die Gemeinde Berkach am 31. Dezember 1971 freiwillig nach Groß-Gerau eingliedern. Abschließend wurden zum 1. Januar 1977 kraft Landesgesetzes die Stadt Groß-Gerau und die Gemeinden Dornheim und Wallerstädten zur neuen Stadt Groß-Gerau zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Groß-Gerau angehört(e):
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 / Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Groß-Gerau 23.739 / 24.887 Einwohner. Darunter waren 3821 / 5133 (16,1 / 20,6 %) Ausländer, von denen 1638 / 2324 aus dem EU-Ausland, 1421 / 1546 aus anderen europäischen Ländern und 762 / 1266 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 15,9 / ? % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 4151 / 4561 Einwohner unter 18 Jahren, 10234 / 9437 zwischen 18 und 49, 5039 / 5671 zwischen 50 und 64 und 43157 / 5222 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 10160 / 6528 Haushalten. Davon waren 3276 / ? Singlehaushalte, 2898 / 2848 Paare mit Kindern und 2966 / 2866 Paare ohne Kinder, sowie 771 / 815 Alleinerziehende und 249 / ? Wohngemeinschaften. In 1980 / 999 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 7146 / 4544 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Quelle: Historisches Ortslexikon
Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen:
| || Jahr || Gemeinde || Landkreis || Regierungsbezirk || Hessen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte | 2017 | 11.027 | 98.042 | 1.695.567 | 2.524.156 |
| Veränderung zu | 2000 | +17,3 % | +5,4 % | +16,1 % | +16,0 % |
| davon Vollzeit | 2017 | 69,8 % | 75,9 % | 72,8 % | 71,8 % |
| davon Teilzeit | 2017 | 30,2 % | 24,1 % | 27,2 % | 28,2 % |
| Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte | 2017 | 1.518 | 13.048 | 224.267 | 372.991 |
| Veränderung zu | 2000 | +20,4 % | −9,6 % | +9,0 % | +8,8 % |
| Branche || Jahr || Gemeinde || Landkreis || Regierungsbezirk || Hessen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Produzierendes Gewerbe | 2000 | 29,1 % | 43,8 % | 27,0 % | 30,6 % |
| 2017 | 21,6 % | 33,2 % | 20,4 % | 24,3 % | |
| Handel, Gastgewerbe und Verkehr | 2000 | 27,4 % | 27,6 % | 26,4 % | 25,1 % |
| 2017 | 25,4 % | 27,9 % | 24,7 % | 23,8 % | |
| Unternehmensdienstleistungen | 2000 | 14,5 % | 14,0 % | 25,1 % | 20,2 % |
| 2017 | 16,9 % | 19,9 % | 31,6 % | 26,1 % | |
| Sonstige Dienstleistungen | 2000 | 28,4 % | 13,7 % | 20,1 % | 22,5 % |
| 2017 | 35,8 % | 18,6 % | 23,0 % | 25,4 % | |
| Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) | 2000 | 0,6 % | 1,0 % | 1,4 % | 1,5 % |
| 2017 | 0,3 % | 0,5 % | 0,3 % | 0,4 % |
Jahr || Lutheranisch || Evangelisch || Katholisch || Reformiert || Jüdisch || Orthodox || Andersgläubig ||
| Wahlvorschläge |
% |
2026 Sitze |
2026 % |
2021 Sitze |
2021 % |
2016 Sitze |
2016 % |
2011 Sitze |
2011 % |
2006 Sitze |
2006 % |
2001 Sitze |
2001
| 31,9 |
12 |
31,6 |
12 |
31,1 |
10 |
33,9 |
11 |
25,0 |
8 |
24,5 |
8 |
| 28,0 |
10 |
24,4 |
9 |
31,2 |
10 |
32,2 |
11 |
29,5 |
10 |
41,0 |
14 |
| 12,8 |
5 |
19,6 |
7 |
11,1 |
4 |
19,7 |
7 |
9,6 |
3 |
12,7 |
4 |
| KOMBI |
Kommunale Bürgerinteressengemeinschaft |
4,8 |
2 |
4,6 |
2 |
9,4 |
3 |
9,5 |
3 |
31,7 |
11 |
21,7 |
7 |
| 5,5 |
2 |
4,1 |
1 |
5,4 |
2 |
3,8 |
1 |
4,2 |
1 |
— |
— |
| 2,8 |
1 |
5,2 |
2 |
4,6 |
2 |
1,0 |
0 |
— |
— |
— |
— |
| 13,2 |
5 |
8,8 |
3 |
– |
– |
— |
— |
— |
— |
— |
— |
| — |
— |
– |
– |
7,3 |
2 |
— |
— |
— |
— |
— |
— |
| — |
— |
1,6 |
1 |
– |
– |
— |
— |
— |
— |
— |
— |
Gesamt |
100,0 |
37 |
100,0 |
37 |
100,0 |
33 |
100,0 |
33 |
100,0 |
33 |
100,0 |
33 |
Wahlbeteiligung in % |
50,7 |
47,3 |
43,5 |
44,7 |
47,9 |
50,9 |
| ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Kreisstadt Groß-Gerau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sieben weitere Stadträte angehören. Bürgermeister ist seit dem 19. März 2024 Jörg Rüddenklau (SPD). Er wurde am 29. Oktober 2023 in einer Stichwahl, die der Amtsinhaber Erhard Walther (CDU) verfehlte, bei 42,67 Prozent Wahlbeteiligung mit 52,28 Prozent der Stimmen gewählt.
;Amtszeiten der Bürgermeister
Wappen
Flagge
Die Flagge wurde der Stadt gemeinsam mit dem Wappen am 22. Januar 1996 genehmigt und wird wie folgt beschrieben:
„Auf blau, gold und rot gestreifter Flaggenbahn aufgelegt das Stadtwappen.“
Groß-Gerau unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:
Alle fünf Städte sind über eine Ringpartnerschaft miteinander verschwistert, d. h. jede der Städte pflegt eine Partnerschaft mit jeder anderen. Es handelte sich dabei erst um die zweite Partnerschaft dieser Art überhaupt, die zwischen den vier erstgenannten Städten seit 1959 besteht. Die erste wurde ein Jahr zuvor, 1958, zwischen Köln, Lille (Frankreich), Esch-sur-Alzette (Luxemburg), Lüttich (Belgien), Rotterdam (Niederlande) und Turin (Italien) geschlossen. Szamotuły trat der Partnerschaft später, im Jahr 2000, bei.
Im Zentrum, speziell in der Mainzer Straße, der Schulstraße und deren Verlängerung Am Sandböhl und dem vorderen Teil der Frankfurter Straße, hat Groß-Gerau eine Reihe liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser. Auf dem Areal der Fasanerie Groß-Gerau, einem großen Park im Stile eines englischen Landschaftsgartens, befindet sich ein seit 2022 geschlossener privat geführter Tiergarten.
Das Stadtmuseum Groß-Gerau besteht seit 1929.
Die Kreisstadt Groß-Gerau verzeichnete im Jahr 2024 als dynamischer Wirtschaftsstandort 11.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Es finden sich fünf der deutschen Top-Unternehmen in Groß-Gerau, das bedeutet Rang 950 im Unternehmensranking. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl verfügt Groß-Gerau damit über 18,79 Top-Unternehmen pro 100.000 Einwohner. Aus der Liste der Unternehmen in Auslandsbesitz finden sich fünf ausländische Investoren am Standort. Rund 500 Mitarbeiter produzieren im Procter & Gamble Werk Groß-Gerau Zahnpflege- und Erkältungsprodukte für 45 Länder weltweit. Das WICK-Werk in Groß-Gerau wurde im August 1963 von der Firma Richardson-Vicks gegründet, wobei die Produktion von WICK VapoRub begann; später kamen auch die beliebten Hustenbonbons hinzu. Heute werden in der hochtechnisierten und digitalisierten Anlage pro Tag u. a. zwei Millionen Tuben Zahnpasta produziert. Erlenbacher Backwaren ist einer der größten deutschen Hersteller und produziert jährlich über 22 Millionen tiefgekühlte Backwaren auf höchstem Niveau. Mit 400 Mitarbeitern und einer Produktvielfalt, die 450 verschiedene Artikel umfasst, und einem Umsatz von 31 Millionen Euro beliefert das Traditionsunternehmen Kunden in rund 45 Ländern. Die 264 Mitarbeiter von Cummins Deutschland GmbH, ein weltweit agierendes Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Motoren und Generatoren spezialisiert hat, erwirtschaftet einen Umsatz von 259 Mio. Euro. Die Unternehmensgruppe Bondioli & Pavesi hat im Bereich der Kraftantriebe am Standort in Groß-Gerau mit vierzig Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 64 Millionen Euro. Die Niederlassung von Bombardier Aerospace mit 300 Mitarbeitern und einem geschätzten Umsatz von 54 Millionen Euro in Groß-Gerau ist auf die Herstellung von Flugzeugen und Zügen spezialisiert. Die Icefresh GmbH als Industriedienstleister in Sachen Lieferung frischer Fische, Verpackung und Logistik sowie technische Beratung für Fischfabriken verfügt über modernste Anlagen und Technologien, die sechzehn Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von vier Millionen Euro. In Groß-Gerau stehen 9.114 Einpendler 8.427 Auspendlern gegenüber (2024). Für die 380 Hotelbetten wurden 23.107 Ankünfte mit 42.365 Übernachtungen gezählt (2023). Mehrere Traditionsbetriebe wie beispielsweise das Fagro Press- und Stanzwerk, die Helvetia Konservenfabrik oder das Werk der Südzucker AG wurden geschlossen.
Das Gemeindegebiet umfasst eine Gesamtfläche von 5448 Hektar, davon entfallen in ha auf:
| Nutzungsart | 2011 | 2015 | |
|---|---|---|---|
| Gebäude- und Freifläche | 594 | 605 | |
| davon | Wohnen | 300 | 299 |
| Gewerbe | 82 | 83 | |
| Betriebsfläche | 59 | 49 | |
| davon | Abbauland | 0 | 0 |
| Erholungsfläche | 80 | 79 | |
| davon | Grünanlage | 56 | 56 |
| Verkehrsfläche | 374 | 375 | |
| Landwirtschaftsfläche | 2878 | 2875 | |
| davon | Moor | 0 | 0 |
| Heide | 0 | 0 | |
| Waldfläche | 1346 | 1345 | |
| Wasserfläche | 92 | 92 | |
| Sonstige Nutzung | 26 | 26 | |
Der Kreis Groß-Gerau ist bekannt für die zahlreichen Bildungseinrichtungen. Neben Grund- und Realschulen gehören auch eine gymnasiale Oberstufe und mehrere Förderschulen zum Angebot des Kreises dazu.
Grundschulen:
Weiterführende und sonstige Schulen:
In Groß-Gerau kreuzen sich die B 42/L 3482 und B 44. Die Autobahnanschlussstellen Nord und Süd schaffen über die A 67 Verbindungen in alle Richtungen. Auch die umliegenden Großstädte sind nahebei (Darmstadt 11 km, Wiesbaden 23 km, Mainz 18 km und Frankfurt am Main 28 km). Der Flughafen Frankfurt Main ist über die Autobahn in etwa 15 Minuten zu erreichen.
Darüber hinaus ist Groß-Gerau an zwei Eisenbahnstrecken angeschlossen, die sich am östlichen Stadtrand in etwa in rechtem Winkel kreuzen. Es sind die Rhein-Main-Bahn Mainz–Darmstadt–Aschaffenburg (RB75) und die Riedbahn Mannheim–Frankfurt (S7). Beide Strecken sind zweigleisig und elektrifiziert. Aktuell wird die Strecke Mainz-Darmstadt-Aschaffenburg (RB75) von der Hessischen Landesbahn (HLB) betrieben.
Im Stadtgebiet gibt es drei Bahnstationen:
Zwischen den Bahnstrecken existieren zwei Verbindungskurven in den Relationen Mannheim-Mainz und Mannheim-Darmstadt. Beide spielen vorwiegend im Güterverkehr eine Rolle. Zwischen den Bahnhöfen Groß Gerau und Groß Gerau-Dornberg besteht kein Personenverkehr.
Die Schreibung der Bahnhofsnamen ohne Bindestrich gründet auf den unterschiedlichen Rechtschreibregeln des Großherzogtums Hessen und des Königreichs Preußen. Die Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Staatseisenbahnen (K.P.u.G.H.StE) benannten die Bahnhöfe nach den preußischen Rechtschreibregeln.
Als Tageszeitungen erscheinen das „Groß-Gerauer Echo“ (früher „Heimatzeitung“), das zur Zeitungsfamilie der VRM-Verlagsgruppe gehört, sowie Frankfurter Zeitungen mit Regionalseiten, auch für Groß-Gerau. Zusätzlich erscheint das lokale Monatsmagazin „Wir“. In Groß-Gerau ansässig ist außerdem der „Christian Gallus Verlag“, Herausgeber des bundesweit erscheinenden Geocaching Magazins.
Das Stromnetz wird von den Stadtwerken Groß-Gerau betrieben. Diese treten auch als lokaler Energieversorger auf. Sie befinden sich im Mehrheitsbesitz der Stadt Groß-Gerau.
Bis zum Jahr 2007 war die Zuckerfabrik in Groß-Gerau der größte Zuckerproduzent Hessens. Gegründet wurde das Werk bereits 1883 durch den Rübenzuckerfachmann Bergsträßer und den Landwirt Anton Schudt, schon im Folgejahr verarbeitete der Betrieb rund 32.500 Tonnen Zuckerrüben. Als Teil der 1926 entstandenen Südzucker AG gehörte der Standort zum heute europaweit größten Zuckererzeuger mit über fünfzig Niederlassungen. Im Februar 2008 erfolgte die Schließung des Werks sowie des Standorts Regensburg. Grund hierfür war die Reform der EU-Zuckermarktordnung, die eine Drosselung der Produktion sowie eine Senkung der Garantiepreise für Landwirte um etwa ein Drittel vorsah. Für die 110 betroffenen Mitarbeiter am Standort Groß-Gerau wurde ein Sozialplan zur beruflichen Absicherung erstellt. Ein wesentlicher Teil der Belegschaft, etwa fünfzig Personen, erhält die Möglichkeit, in das Südzucker-Werk Offstein zu wechseln. Für die betroffenen Landwirte aus der Wetterau, dem Hessischen Ried, Rheinhessen und Unterfranken konnten entweder ein Prämiensystem für den Verzicht auf den Rübenanbau in Anspruch nehmen oder ihre Ernte fortan an die Standorte Wabern in Nordhessen bzw. Offstein in Rheinland-Pfalz liefern. Den Rückbau und die vollständige Demontage der Werke in Groß-Gerau und Regensburg fördert die Europäische Union mit einer Entschädigungssumme von insgesamt rund 150 Millionen Euro für die Südzucker AG.
Während der jährlichen Erntesaison, der sogenannten Kampagne von Ende September bis Dezember, lief die Zuckerfabrik Groß-Gerau im 24-Stunden-Hochbetrieb. Täglich wurden rund 9.200 Tonnen Zuckerrüben verarbeitet, wobei die Anlieferungsmenge mit etwa 12.000 Tonnen sogar noch darüber lag. Um Lieferengpässe abzufangen, hielt das Werk stets einen Vorrat für drei bis vier Tage bereit. Mit einer Belegschaft von 160 Mitarbeitern während der Saison (130 im restlichen Jahr) wurde eine jährliche Gesamtmenge von ca. 826.000 Tonnen Rüben bewältigt. Dies resultierte in einer täglichen Zuckerproduktion von 1.400 Tonnen, die in den werkseigenen Silos mit einer Gesamtkapazität von 93.000 Tonnen gelagert werden konnten. Hinter der Zuckerfabrik stand ein Netzwerk aus etwa 2.000 Anbaubetrieben, die zwischen Lahn und Landesgrenze sowie dem Rhein-Main-Gebiet und dem bayerischen Untermain eine Fläche von 14.000 Hektar bewirtschafteten. Mit einem Hektarertrag von rund 65 Tonnen war die Koordination der Rübenströme eine logistische Meisterleistung. Zum Schutz der Anwohner und zur Einhaltung der Ruhezeiten blieb das Werk an Sonn- und Feiertagen lieferfrei. Am 20. Oktober 2009 ereignete sich während der Abbrucharbeiten eine Staubexplosion. Ursache war vermutlich feiner Zuckerstaub, der bei der Entfernung der Silo-Isolierung und durch die Erschütterungen der Abrissbirne aufgewirbelt worden war. Trotz der Heftigkeit der Explosion kamen keine Personen zu Schaden.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Groß-Gerau.
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