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99867 Gotha

http://www.landkreis-gotha.de

Wappen

Der Landkreis Gotha ist ein Landkreis in der westlichen Mitte Thüringens. Nachbarkreise sind im Norden der Unstrut-Hainich-Kreis, im Nordosten der Landkreis Sömmerda, im Osten die kreisfreie Stadt Erfurt, im Südosten der Ilm-Kreis, im Südwesten der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und im Westen der Wartburgkreis.

Geografie

Der Landkreis Gotha liegt im westlichen Mittelthüringen. Im Norden und Osten grenzt er an die Ausläufer des Thüringer Beckens. Das Geländeprofil variiert vom rund 200 Meter ü. NN gelegenen Tiefland im nördlichen Teil des Kreises bis zu den über 900 Meter hohen Gipfeln des Thüringer Waldes im Süden.

Im äußersten Norden des Kreises befindet sich zwischen den Gemeinden Tonna und Bienstädt die Fahner Höhe, eine Muschelkalk-Aufsattelung, deren höchste Erhebung der Abtsberg mit 413 Metern darstellt. Im Süden erstreckt sich der Landkreis bis an den Nordhang des Thüringer Waldes. Die Kreisgrenze verläuft über großen Strecken entlang des Höhen- und Wanderwegs Rennsteig. Nahe Bad Tabarz erhebt sich der Große Inselsberg, der mit 916 Metern ü. NN zu den höchsten Bergen Thüringens zählt. Im Süden des Kreises befinden sich drei große Talsperren: die Ohratalsperre, die oberhalb von Ohrdruf die Ohra anstaut, sowie die Gothaer Talsperre und die Talsperre Schmalwasser, die bei Tambach-Dietharz im Einzugsgebiet der Apfelstädt liegen.

Geologisch interessant ist das durchschnittlich etwa 450 Meter hoch gelegene Muschelkalk-Hochplateau der Ohrdrufer Platte zwischen Ohrdruf und Mühlberg im Südosten des Kreises, das zu großen Teilen seit 1906 auf einer Fläche von 49,5 km² als Truppenübungsplatz genutzt wird.

Bis auf die zum Thüringer Wald gehörenden Gebiete sowie mehrere kleinere bewaldete Höhenzüge ist der größte Teil des Landkreises unbewaldet und wird landwirtschaftlich genutzt.

Geschichte

Verwaltungsgeschichte

Der Landkreis Gotha wurde am 1. Oktober 1922 aus den jeweils größten Teilen der gothaischen Landratsämter Gotha, Ohrdruf und Waltershausen sowie den selbständigen Städten Ohrdruf und Waltershausen gebildet. Die Stadt Gotha bildete einen eigenen Stadtkreis und wurde Kreisstadt des Landkreises. Der Landkreis erstreckte sich im Süden bis nach Oberhof.

Gegenüber dem historischen Herzogtum Sachsen-Gotha, das sich von Zella-Mehlis und Elgersburg im Süden bis Herbsleben im Nordosten erstreckte und zu dem Exklaven wie Volkenroda bei Mühlhausen oder Werningshausen nahe Sömmerda zählten, fiel der neue Landkreis Gotha kleiner aus, denn 1922 gingen 23 Gemeinden an den neuen Landkreis Arnstadt, die Stadt Ruhla und 15 weitere Gemeinden an den Landkreis Eisenach, die Gemeinden Hohenbergen, Kleinkeula, Körner, Menteroda und Obermehler an den Landkreis Sondershausen sowie Werningshausen an den Landkreis Weimar. 1925 lebten in Stadtkreis und Landkreis Gotha zusammen rund 149.000 Menschen.

Auf dem Gebiet des 1826 in Form einer Personalunion gebildeten Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha hatten seit dem 17. Jahrhundert mehrere Amtsbezirke mit mehreren Justizämtern existiert, die 1858 in drei Landratsamtsbezirke und drei amtsfreie Städte überführt wurden. Diese Ämter waren allerdings rein staatliche Behörden – kommunale Selbstverwaltung und demokratische Legitimation (Kreistag, Wahlbeamte) existierten noch nicht. Der erste Schritt hierzu wurde 1922 getan – die damalige Gemeinde- und Kreisordnung sah zumindest den Kreisrat als vom Volk gewählte Vertretung vor. Dessen ausführendes Organ war zunächst der Kreisdirektor, die ihm unterstellte Behörde die Kreisdirektion. Veränderte Rechtsgrundlagen ließen 1926 den Landrat an die Stelle des Kreisdirektors treten.

Mit den Ermächtigungsgesetzen des NS-Regimes endete 1933 die kommunale Selbstverwaltung abrupt, ohne dass die Kreisvertretungen formell aufgehoben wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg behielten sowohl die zunächst amerikanische als auch die spätere sowjetische Militärregierung die bisherigen Verwaltungsstrukturen aus der Weimarer Zeit bei. 1946 legte schließlich die Demokratische Kreisordnung die Bezeichnungen Kreistag für die Legislative und Kreisrat für die Exekutive fest.

Am 1. Juli 1945 wurden die Gemeinden Mühlberg, Röhrensee und Wandersleben aus dem ehemals preußischen Landkreis Weißensee in den Landkreis Gotha umgegliedert. Am 1. Oktober 1945 gab der Landkreis die Gemeinde Kleinschmalkalden an den Landkreis Schmalkalden ab.

Bei der ersten Kreisreform in der DDR kam es am 1. Juli 1950 zu mehreren Gebietsänderungen:

Bei der Verwaltungsreform von 1952 in der DDR wurde der Landkreis erneut verkleinert:

Gleichzeitig wurde das Land Thüringen in die drei Bezirke Erfurt, Suhl und Gera geteilt, was auch eine Strukturreform auf Kreisebene bedeutete. Während der Kreistag in seiner Funktion erhalten blieb, wurde der Kreisrat zum Rat des Kreises umgewandelt, an dessen Spitze der Vorsitzende und drei Stellvertreter standen. Die in den 1920er-Jahren und nach Kriegsende praktizierte Trennung von Selbstverwaltung und Staatsverwaltung existierte zwar formal weiter, de facto war aber bereits 1949 mit der Gründung der DDR der Kreistag nur noch absegnendes Organ für die Beschlüsse des Rates des Kreises geworden.

Im Mai 1990 fanden seit 1946 die ersten freien Kommunalwahlen in Thüringen statt, wenig später wurde im Oktober das Land Thüringen als Freistaat wieder gegründet. 1993 trat die Thüringer Kommunalordnung in Kraft. Sie legt unter anderem die Bezeichnungen Kreistag und Landrat für die Legislativ- bzw. Exekutivorgane fest. Die Kreisbehörde heißt seit der Wende wieder Landratsamt. 1994 erlebte der Landkreis Gotha seine bislang letzte Gebietsreform: Aus dem ehemaligen Kreis Erfurt-Land kamen die Orte Gamstädt, Bienstädt, Zimmernsupra, Nottleben, Kleinrettbach, Ingersleben, Neudietendorf mit dem Ortsteil Kornhochheim, Apfelstädt, Dachwig, Großfahner, Gierstädt mit dem Ortsteil Kleinfahner und Döllstädt hinzu, vom Kreis Arnstadt die Gemeinde Crawinkel; vom einstigen Kreis Bad Langensalza wechselten die beiden Orte Gräfentonna und Burgtonna, die heute die Gemeinde Tonna bilden, in den Landkreis Gotha.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1925 104 178
1933 106 262
1939 111 101
1946 142 732
1994 148 437
1995 148 373
1996 148 868
1997 149 532
1998 149 625
1999 149 491
2000 148 527
2001 147 418
2002 146 632
2003 145 383
2004 144 833
2005 143 745
2006 142 491
2007 141 405
2008 140 041
2009 138 857
2010 138 056
2011 137 340
2012 135 376
2013 135 155
2014 135 381
2015 136 831
2016 135 430
2017 135 521
2018 135 452
2019 134 908
2020 134 563
2021 133 825
2022 137 321
2023 136 933
2024 135 838

:Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik

Kreistag

Die 50 Sitze im Kreistag verteilten sich nach der Wahl am 26. Mai 2024 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:

Partei || Sitze
(nach der Wahl)
AfD 14 (+5)
CDU 12 (−1)
SPD 11 (−2)
BSW 6 (+6)
FW 3 (−2)
DIE LINKE 2 (−3)
GRÜNE 1 (−2)
FDP 1 (−1)